NaOH
OH⁻
pH

Basen – Eigenschaften, pH-Wert und Dissoziation

Basen sind die Gegenspieler der Säuren. Sie nehmen in Wasser H⁺-Ionen auf oder geben OH⁻-Ionen ab – dadurch erhöhen sie den pH-Wert einer Lösung über 7.

Basen im Alltag

Basen begegnen uns täglich – in Reinigungsmitteln, Körperpflegeprodukten und der Natur. Hier sind einige bekannte Beispiele:

Basen in Haushaltsprodukten
  • Natronlauge (NaOH) – Hauptwirkstoff in Rohrreinigern, löst Fett- und Eiweißablagerungen auf
  • Ammoniaklösung (NH₃) – in Glasreinigern und Allzweckreinigern (stechender Geruch)
  • Natriumhydrogencarbonat (NaHCO₃) – in Backpulver, reagiert leicht basisch in Wasser
Basen in der Körperpflege
Seifenstücke – basisch durch NaOH-Verseifung
  • Seife – hergestellt durch Verseifung von Fetten mit NaOH, hat einen pH-Wert von 9–10
  • Zahncreme – enthält oft NaHCO₃ oder Na₂HPO₄, leicht basisch (pH 7–8) zum Schutz des Zahnschmelzes
  • Deo-Sticks – manche Produkte nutzen basische Verbindungen wie Natriumbicarbonat

Natronlauge (NaOH)

NaOH-Pellets – weiße Natriumhydroxid-Kügelchen

Danny S., CC BY-SA 3.0

Natriumhydroxid ist eine der wichtigsten starken Basen im Labor und in der Industrie.

  • Vorkommen: Technisch hergestellt durch Chloralkalielektrolyse
  • Verwendung: Papierherstellung, Seifenproduktion, Rohrreiniger, Lebensmittelindustrie (Brezeln)
  • Eigenschaften: Löst sich stark exotherm in Wasser, ätzend, pH > 13 bei 1 mol/l

Ammoniaklösung (NH₃)

Ammoniak ist eine Besonderheit unter den Basen: Es enthält keine OH⁻-Gruppe, wirkt aber dennoch basisch – durch Reaktion mit Wasser:

\[\text{NH}_3 + \text{H}_2\text{O} \rightleftharpoons \text{NH}_4^+ + \text{OH}^-\]

Ammoniak nimmt ein Proton vom Wasser auf und bildet dabei OH⁻-Ionen. Es ist eine schwache Base (Gleichgewicht liegt links).

Basen in der Natur

Auch in der Natur kommen basische Verbindungen vor – oft spielen sie eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf oder in biologischen Prozessen:

Kalkwasser

Kalkstein – Calciumcarbonat als Grundlage für Kalkwasser

Calciumhydroxid (\(\text{Ca(OH)}_2\)) entsteht, wenn Branntkalk (CaO) in Wasser gelöst wird. Es reagiert schwach basisch (pH ~ 12) und wird zum Nachweis von CO₂ genutzt: Einleiten von CO₂ trübt das klare Kalkwasser durch die Bildung von Calciumcarbonat (\(\text{CaCO}_3\)).

Holzasche

Holzasche enthält Kaliumcarbonat (\(\text{K}_2\text{CO}_3\)) und Calciumcarbonat. In Wasser gelöst entsteht eine basische Lösung (Pottasche-Lauge). Früher wurde Holzasche zur Herstellung von Seife verwendet – durch Kochen mit tierischen Fetten.

Boden und Pflanzen

Kalkhaltige Böden (basischer pH) beeinflussen das Pflanzenwachstum. Viele Nutzpflanzen bevorzugen einen leicht basischen Boden (pH 7–8). Landwirte kalken saure Böden, um den pH-Wert anzuheben – dabei wird Calciumoxid (CaO) oder Kalkstein eingesetzt.

Aufbau von Basen – Zusammenhang mit dem Periodensystem

Metallhydroxide sind die wichtigste Gruppe der anorganischen Basen. Ihre Formel lässt sich direkt aus der Stellung des Metalls im Periodensystem ableiten: Die Wertigkeit des Metallions bestimmt, wie viele OH⁻-Gruppen die Verbindung enthält.

Metallhydroxide der Hauptgruppen

Hauptgruppe Metallion Ladung Formel Name
1. Hauptgruppe \(\text{Li}^+\) +1 \(\text{LiOH}\) Lithiumhydroxid
1. Hauptgruppe \(\text{Na}^+\) +1 \(\text{NaOH}\) Natriumhydroxid
1. Hauptgruppe \(\text{K}^+\) +1 \(\text{KOH}\) Kaliumhydroxid
2. Hauptgruppe \(\text{Mg}^{2+}\) +2 \(\text{Mg(OH)}_2\) Magnesiumhydroxid
2. Hauptgruppe \(\text{Ca}^{2+}\) +2 \(\text{Ca(OH)}_2\) Calciumhydroxid
3. Hauptgruppe \(\text{Al}^{3+}\) +3 \(\text{Al(OH)}_3\) Aluminiumhydroxid

Merke: Wertigkeit = Anzahl der OH⁻-Gruppen

Die Wertigkeit des Metallions (= seine positive Ladung) gibt an, wie viele OH⁻-Gruppen nötig sind, damit die Verbindung elektrisch neutral ist. Ein \(\text{Ca}^{2+}\)-Ion bindet genau 2 OH⁻-Ionen → \(\text{Ca(OH)}_2\). Alle Hydroxide der 1. Hauptgruppe sind gut wasserlöslich (starke Basen), die der 2. und 3. Hauptgruppe lösen sich nur wenig.

Versuch – Verdünnungsreihe

In diesem Versuch wird aus einer konzentrierten Natronlauge (NaOH) eine Verdünnungsreihe hergestellt. Jedes Reagenzglas enthält eine um den Faktor 10 verdünntere Lösung als das vorherige.

Simulation: Verdünnungsreihe mit Universalindikator

Beobachte, wie sich der Universalindikator je nach Konzentration der Natronlauge verschieden einfärbt – von dunkelviolett (pH 14) bis blaugrün (pH 9).

Farbverlauf beim Universalindikator (pH 0–14)
Farbverlauf des Universalindikators – pH 0 (dunkelrot) bis pH 14 (dunkelviolett)

Übersicht: Die 6 Reagenzgläser der Verdünnungsreihe

Reagenzglas Konzentration c(NaOH) pH-Wert Farbe (Universalindikator)
RG 1\(10^0 = 1 \text{ mol/l}\)14Dunkelviolett
RG 2\(10^{-1} = 0{,}1 \text{ mol/l}\)13Violett
RG 3\(10^{-2} = 0{,}01 \text{ mol/l}\)12Blauviolett
RG 4\(10^{-3} = 0{,}001 \text{ mol/l}\)11Dunkelblau
RG 5\(10^{-4} = 0{,}0001 \text{ mol/l}\)10Blau
RG 6\(10^{-5} = 0{,}00001 \text{ mol/l}\)9Blaugrün

Deutung: pH + pOH = 14

Je stärker eine basische Lösung verdünnt wird, desto geringer ist die Konzentration der OH⁻-Ionen. Es gilt der Zusammenhang:

\[\text{pH} + \text{pOH} = 14\]

Eine 1 mol/l NaOH-Lösung hat eine OH⁻-Konzentration von 1 mol/l → pOH = 0 → pH = 14. Bei 10-facher Verdünnung sinkt c(OH⁻) auf 0,1 mol/l → pOH = 1 → pH = 13. Jede 1:10-Verdünnung senkt also den pH-Wert um genau 1 Einheit.

Der pH-Wert im basischen Bereich

Definition und Zusammenhang

\[\boxed{pH = -\lg\left[\text{H}^+\right]}\] \[\text{pH} + \text{pOH} = 14\]

Im basischen Bereich ist die OH⁻-Konzentration größer als die H⁺-Konzentration. Da das Ionenprodukt des Wassers konstant ist (\(\left[\text{H}^+\right] \cdot \left[\text{OH}^-\right] = 10^{-14} \text{ mol}^2/\text{l}^2\)), steigt der pH-Wert mit wachsender OH⁻-Konzentration.

pH-Werte im basischen Bereich: Übersicht

Konzentration \([\text{OH}^-]\) pOH pH-Wert Einordnung
\(10^0 = 1 \text{ mol/l}\)014stark basisch
\(10^{-1} \text{ mol/l}\)113stark basisch
\(10^{-2} \text{ mol/l}\)212stark basisch
\(10^{-3} \text{ mol/l}\)311basisch
\(10^{-4} \text{ mol/l}\)410basisch
\(10^{-5} \text{ mol/l}\)59schwach basisch
\(10^{-7} \text{ mol/l}\)77neutral

Dissoziationsgleichungen wichtiger Basen

Wenn Basen in Wasser gelöst werden, dissoziieren sie in Metallionen und OH⁻-Ionen. Bei starken Basen verläuft dieser Prozess vollständig (\(\rightarrow\)). Die Anzahl der OH⁻-Ionen hängt von der Wertigkeit des Metallions ab.

Lithiumhydroxid → Lithium-Ion

einwertig, stark (1 OH⁻-Gruppe)

\[\text{LiOH} \rightarrow \text{Li}^+ + \text{OH}^-\]

Natriumhydroxid → Natrium-Ion

einwertig, stark (1 OH⁻-Gruppe)

\[\text{NaOH} \rightarrow \text{Na}^+ + \text{OH}^-\]

Kaliumhydroxid → Kalium-Ion

einwertig, stark (1 OH⁻-Gruppe)

\[\text{KOH} \rightarrow \text{K}^+ + \text{OH}^-\]

Magnesiumhydroxid → Magnesium-Ion

zweiwertig (2 OH⁻-Gruppen)

\[\text{Mg(OH)}_2 \rightarrow \text{Mg}^{2+} + 2\,\text{OH}^-\]

Calciumhydroxid → Calcium-Ion

zweiwertig (2 OH⁻-Gruppen)

\[\text{Ca(OH)}_2 \rightarrow \text{Ca}^{2+} + 2\,\text{OH}^-\]

Aluminiumhydroxid → Aluminium-Ion

dreiwertig (3 OH⁻-Gruppen)

\[\text{Al(OH)}_3 \rightarrow \text{Al}^{3+} + 3\,\text{OH}^-\]

Merke: Starke vs. schwache Basen

  • Starke Basen (z. B. NaOH, KOH, LiOH) dissoziieren vollständig – Pfeil zeigt nur nach rechts (\(\rightarrow\)).
  • Schwache Basen (z. B. NH₃, Mg(OH)₂) dissoziieren nur teilweise – Gleichgewichtspfeil (\(\rightleftharpoons\)).
  • Die Anzahl der OH⁻-Ionen pro Formeleinheit entspricht der Wertigkeit (Hauptgruppennummer) des Metallions.

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